diedenkweisen

Trance im NLP

Wenn in unse­ren NLP-Aus­bil­dun­gen die Fähig­kei­ten ver­mit­telt wer­den, zunächst Übungs­part­ner und spä­ter auch Kli­en­ten gezielt in Tran­ce zu füh­ren, dann grei­fen wir dabei auf wesent­li­che Erfah­run­gen unse­rer Semi­nar­teil­neh­mer mit die­sem Phä­no­men zurück. Denn Men­schen, die NLP ler­nen, erle­ben und füh­ren ande­re in Tran­ce, längst bevor sie die­ses Phä­no­men unter dem Ober­be­griff „Tran­ce“ erfas­sen. Bes­tes Bei­spiel dafür ist die VAKOG-Induk­ti­on, wenn in einer Übung die Teil­neh­mer in res­sour­cen­vol­le Situa­tio­nen gebracht wer­den und sol­che vor ihrem inne­ren Auge wie­der erle­ben, als wür­den sie gera­de erst stattfinden.

Natürlicher Zustand

Tran­ce-Zustän­de sind ein ganz natür­li­cher Vor­gang. Tran­ce kann als ein nach innen gerich­te­ter Bewusst­seins­zu­stand beschrie­ben wer­den, in dem jemand sich so mit sei­nen inter­nen Vor­stel­lun­gen und Denk­pro­zes­sen befasst, dass er in die­sem Augen­blick die Außen­welt gar nicht mehr wahr­nimmt. Im Lau­fe des Tages beschäf­ti­gen wir uns sehr oft mit unse­ren Gedan­ken, hän­gen Erin­ne­run­gen nach oder stel­len uns die Fol­gen unse­res zukünf­ti­gen Han­dels vor. Das heißt, jeder von uns ist in der Lage zwi­schen die­sen Bewusst­seins­zu­stän­den – einem kla­ren und nach außen gerich­te­ten Wach­zu­stand und einem nach innen gerich­te­ten Tran­ce­zu­stand – hin und her zu schal­ten. In die­sem Sin­ne stell­te jede inten­si­ve Erin­ne­rung, jede Kon­zen­tra­ti­on auf ein Pro­blem, ein Ziel, ein Pro­jekt, ein Plan oder auch ande­re inter­ne Vor­stel­lun­gen einen Tran­ce-Zustand dar. Oft mer­ken wir es nicht ein­mal, weil es ganz natür­lich ist und zum mensch­li­chen Lebens dazu­ge­hört.

Nicht nur die­se leich­ten Tran­ce-Zustän­de gehö­ren zum Leben dazu. Auch die soge­nann­ten Tief­tran­ce­phä­no­me­ne wie Hal­lu­zi­na­tio­nen, Alters­re­gres­sio­nen, Alters­pro­gres­si­on, Amne­sie etc. zäh­len dazu und kom­men bei jedem Men­schen im Leben vor.

Watercolor Eine Taschenuhr als Pendel

Nutzen der Trance im NLP

Tran­ce, wie sie im NLP gelehrt wird, ist ein sehr wir­kungs­vol­les Instru­ment. In einem Tran­ce-Zustand las­sen sich laut Band­ler und Grin­der Per­sön­lich­keits­ver­än­de­run­gen sehr viel ein­fa­cher durch­füh­ren als im Wach­be­wusst­sein. Im NLP wird mit Tran­cen im nied­ri­gen bis mitt­le­ren Bereich gear­bei­tet, in dem das Bewusst­sein nie ganz aus­ge­schal­tet ist. Durch die Tran­ce kön­nen bestimm­te, ver­än­der­te Zustän­de sta­bil gehal­ten und neue Lern­pro­zes­se auf logi­sche, sys­te­ma­ti­sche und durch­grei­fen­de Wei­se auf­ge­baut werden.

Wäh­rend im Wach­be­wusst­sein die Auf­merk­sam­keits­pro­zes­se einer stän­di­gen Neu­ori­en­tie­rung auf­grund von wech­seln­den exter­nen Rei­zen zer­streut und meist wenig fokus­siert blei­ben, ist es in Tran­ce mög­lich, für einen län­ge­ren Zeit­raum in einem ein­zi­gen Erleb­nis­zu­sam­men­hang ver­tieft zu blei­ben. Eine Fokus­sie­rung scheint für Ver­än­de­rungs­pro­zes­se wesent­lich güns­ti­ger als eine zer­streu­te Auf­merk­sam­keit zu sein.

Die Denk­pro­zes­se im Wach­be­wusst­sein ori­en­tie­ren sich an der Spra­che und deren Struk­tur. Das heißt, die Denk­pro­zes­se im Wach­be­wusst­sein sind abs­trakt und in Begrif­fen fest­ge­legt. Dazu gehö­ren bei­spiels­wei­se alle For­men von Nega­tio­nen und Unter­schei­dun­gen, aber auch Ver­glei­che und Bewer­tun­gen. In einem Tran­ce-Zustand gehen Men­schen ande­res mit die­sen Erfah­run­gen um. In die­sem Zustand wer­den Din­ge ein­fach so genom­men wie sie sind. Die kogni­ti­ven Pro­zes­se lau­fen eher auf einer kon­kre­ten als auf einer abs­trak­ten Ebe­ne ab. Sie sind weni­ger ver­bal, dafür mehr sin­nes­ori­en­tiert und grün­den oft­mals auf Bil­dern. Für die Ver­än­de­rungs­ar­beit scheint es weit­aus nütz­li­cher zu sein, Lösun­gen aus Erfah­run­gen aus begriff­li­chen Fest­le­gun­gen zu lösen und statt­des­sen Erfah­run­gen aus vie­len ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven erkun­den zu las­sen, sowie sich tie­fer mit den eige­nen Res­sour­cen zu verbinden.

Die bewuss­ten Denk­pro­zes­se sind in der Regel von Wer­ten, Über­zeu­gun­gen, Absich­ten und Befürch­ten aus dem Unbe­wuss­ten beherrscht. In einem Tran­ce-Zustand löst sich die­ser Zustand der Beherr­schung durch das Unbe­wuss­te vor­über­ge­hend und es ent­steht eine hohe Bereit­schaft, völ­lig frei, krea­tiv und spon­tan mit neu­en Per­spek­ti­ven, wech­seln­den Bedeu­tun­gen und oft auch unge­wöhn­li­chen Zusam­men­hän­gen zu spie­len. Die­ser Zustand scheint nütz­li­cher als der bewuss­te zu sein, um kom­ple­xe see­li­sche Struk­tu­ren neu aus­zu­rich­ten und die vor­han­de­nen Res­sour­cen noch sinn­vol­ler einzusetzen.

Bewuss­te Erfah­run­gen sind in der Regel an Raum und Zeit im Hier und Jetzt gebun­den. Im Tran­ce-Zustand kann man sich in viel­fäl­ti­ger Wei­se von der Raum-Zeit gebun­de­nen Wirk­lich­keit lösen. Dadurch ent­ste­hen unend­lich vie­le Mög­lich­kei­ten, die sehr viel nütz­li­cher sind als die Beschrän­kun­gen im Hier und Jetzt. Im Tran­ce-Zustand erfah­ren alle Ele­men­te einer Erfah­rung eine Art Befrei­ung aus der star­ren Raum-Zeit-Kon­fi­gu­ra­ti­on, in denen sich unser Wach­be­wusst­sein befin­det. Dadurch wer­den vie­le neue Bezie­hun­gen möglich.

Der bewuss­te Ver­stand ist an die ratio­na­le, linea­re und kau­sa­le Logik gebun­den. Sie ist durch Regeln und Struk­tu­ren ver­bind­lich und beein­flusst sowohl unse­re Wahr­neh­mung, als auch die Mög­lich­kei­ten ihrer Ver­ar­bei­tung. Unbe­wuss­te Denk­pro­zes­se dage­gen funk­tio­nie­ren unab­hän­gig von der Logik. Jeg­li­che Asso­zia­tio­nen sind will­kom­men. Es ist mög­lich und völ­lig wider­spruchs­frei, sich an zwei Orten gleich­zei­tig zu bewe­gen. Es dür­fen auch ein­an­der aus­schlie­ßen­de Din­ge gleich­zei­tig und neben­ein­an­der exis­tie­ren. Wider­sprüch­li­ches darf geschätzt und ange­strebt wer­den. Der unbe­wuss­te Ver­stand muss bei inne­ren Kon­flik­ten, bei­spiels­wei­se nicht nach Ent­we­der/o­der-Mus­tern suchen und dazwi­schen ent­schei­den. Der unbe­wuss­te Ver­stand fin­det For­men, in denen bei­des mög­lich ist und inte­griert bei­des in krea­ti­ver Wei­se.

Kom­mu­ni­zier­te Erfah­run­gen bezieht der Mensch meist auf sich selbst. So ant­wor­ten Zuhö­rer eines Erleb­nis­be­rich­tes, nicht sel­ten Ähn­li­ches erlebt zu haben. In Tran­ce ver­stärkt sich die Ten­denz zur meta­pho­ri­schen Ver­ar­bei­tung und Kom­mu­ni­ka­ti­on selbst­be­züg­lich zu ver­ste­hen und zu reprä­sen­tie­ren. Hören Men­schen in Tran­ce Geschich­ten über ande­re Men­schen, gehen sie fast auto­ma­tisch auf die Suche nach ähn­li­chen Zusam­men­hän­gen und Gescheh­nis­sen. Daher sind auch the­ra­peu­ti­sche Meta­phern her­vor­ra­gend dazu geeig­net, Men­schen auf eine trans­de­ri­va­tio­na­le Suche zu schi­cken, um zu ver­mit­teln, dass Pro­ble­me immer eine Lösung haben und um die Suche des Zuhö­rers nach einer eige­nen Lösung für sein Pro­blem anzustoßen.

Wei­te­re Aus­füh­run­gen zum Nut­zen der Tran­ce fin­dest du u. a. im Buch von Ste­phen Gil­ligan „The­ra­peu­ti­sche Tran­ce: Das Prin­zip Koope­ra­ti­on in der Erick­son­schen Hyp­no­the­ra­pie“.

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